Gespräch mit einer Citibank-Anlegerin:
Sie haben mit Lehman- Zertifikaten viel Geld verloren, und die Citibank ist der Ursprung des Verlustes. Wieso bleiben Sie der Citbank trotzdem treu? - Antwort: Bequemlichkeit? Werde vielleicht noch wechseln?
Je kleiner der Lehman-Verlust bei einem Anleger ist und je umfangreicher die sonstigen Anlageposten, desto besser ist natürlich ein Kompromiss zu Lehman-Verlusten verhandelbar. Dies gilt erst recht, wenn eine Abwanderung mehrere Anleger zugleich betreffen würde, beispielsweise Familienangehörige oder Freunde.
Wer eine Bank nach einem wesentlichen Verlust verlässt, ist insoweit glaubwürdig. Wer trotzdem Kunde bleibt, ist möglicherweise genauso glaubwürdig. Anti-Citibank- Polemik erschwert Lösungen. Je mehr die Citibank aus Analyse und Kompromiss gewinnen kann, desto mehr Aussicht besteht, dass sie diesen für eine Bank schweren Schritt tun kann und will.
Vorbemerkung beendet, nun zur Sache:
Original-Pressemitteilung der Citiibank
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Der Link
http://www.forium.de/red aktion/citibank-bietet-in novative-leh man-brothers-a nleihe-auf-dax-titel/
........... (jedoch ohne die eingefügten Leerzeichen für Zeilenumbruch' !)
führt zur weiter unten wiedergegebenen Pressemitteilung.
Diese wurde am 15. November 2008 zum Zweck der Beweissicherung hierher kopiert.
Es bestehen Anhaltspunkte, dass diese Mitteilung der Originalwortlaut ist. Allerdings wurde Bestätigung seitens der Citibank bisher nicht eingeholt. Die Wiedergabe erfolgt also mit entsprechendem Vorbehalt. Diese Pressemitteilung darf erst dann als beweiskräftig zugrundegelegt werden, sofern zusätzliche Absicherung der Authentizität erfolgte. So lange dies nicht zuverlässig geklärt ist, ist nach üblichen Grundsätzen auch die Möglichkeit einzubeziehen, dass der nachstehende Wortlaut nicht eine Pressemitteilung der Citibank ist.
Nun die Pressemitteilung:
Citibank bietet innovative Lehman Brothers- Anleihe auf DAX-Titel
31. August 2005
Kunden der Citibank können ab sofort bis zum 23. September 2005 die von der Lehman Brothers Treasury Co. B.V. emittierte ''TreasurePlus Anleihe'' zeichnen. Die Anleihe hat eine Laufzeit von sechs Jahren, die Mindestanlage beträgt 1.000 Euro. Basiswert der Anlage sind die zehn größten Werte im DAX, gemessen an ihrer Marktkapitalisierung. Die Anleihe bietet einen 100-prozentigen Kapitalschutz zum Ende der Laufzeit, einen Mindestkupon von 1% p.a. sowie die Chance auf einen deutlich höheren Kupon durch ihren innovativen Mechanismus zur Gewichtung der Einzelwerte. Die Anlage kann während ihrer Laufzeit täglich im Freiverkehr der Börse Frankfurt verkauft werden.
Die von der Citibank angebotene Anleihe macht sich unterschiedliche Kursentwicklungen von Aktien zunutze, indem sie die zehn DAX-Einzelwerte im Aktienkorb verschieden gewichtet. Dieser Korb, der ''Treasure Basket'', besteht aktuell aus Titeln wie Siemens, Allianz, SAP und Bayer (Stichtag: 3. August 2005). Durch einen innovativen Mechanismus werden bei der ''TreasurePlus Anleihe'' Werte mit einer besseren Performance übergewichtet, schlecht laufende Aktien hingegen untergewichtet. So wird die Allokation des Aktienportfolios optimiert. Der Mechanismus gewährleistet, dass der Treasure Basket immer eine bessere oder zumindest gleich gute Rendite aufweist wie ein gleichgewichteter Aktienkorb, der aus denselben Aktien besteht. Der jährliche Kupon entspricht der Differenz in der Entwicklung zwischen dem Treasure Basket und einem gleichgewichteten Aktienkorb mit denselben Aktien. Dabei wird jeweils das vergangene Jahr zugrunde gelegt. Die Gewichtung des Treasure Baskets wird einmal jährlich neu festgelegt.
Ausgabetag der TreasurePlus Anleihe ist der 28. September 2005, Fälligkeitsdatum ist der 28. September 2011. Der Ausgabeaufschlag beträgt 3%, es fallen jedoch keine Managementgebühren an. Interessierte Anleger können sich über die Hotline der Citibank (Telefon 01803/1959999) beraten lassen und die Anlage direkt zeichnen.
Pressemitteilung der Citibank
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Kommentar zur Pressemitteilung
| Bei konzentrierter Angebotsbeschreibung gilt wie meist so auch hier: Ziemlich jedes Formulierungsdetail hat im Rechtsstreit ausnutzbare rechtliche Relevanz. Sofern ein Anleger sich auf diese Pressemitteilung im Streit beruft, benötigt er nicht nur einen spezialisierten Anwalt, sondern auch einen Wirtschaftsfachmann für gutachterliche Deutung.
Etwa folgender Gesichtspunkte wären zu erörtern:
- Für die ausgebende Bank handelt es sich um ein Geschäft mir schwer kalkulierbarem Ausgang. Die Frage von Wettgeschäft wäre zu analysieren.
- Bewertung und also Bilanzierung müssten kaum objektiv möglich sein während der langen Laufzeit mit den natürlicherweise stark schwankenden Börsentrends.
- Dies könnte intern durch einen Versicherer gegengedeckt worden sein. Dann wären Verlustprobleme und Bilanzierungsprobleme letztlch an diesen weitergeleitet worden. Hätte dieser diese Risiken am Markt platziert, so wären die Erwerber die potentiell Leidtragenden.
- Bankfachleute, die Derartiges vertreiben, mussten die Risiken für den Ausgeber für den Fall eines Massengeschäftes dieser Art erkennen, mussten sich also die Frage des Emittentenrisikos stellen. Dies ist zwar indirekt beantwortet durch die Bezeichnung als ,,Anleihe''. Allerdings wird im Text mit Aktienanlage verglichen, als ob dies die einzige Rechengröße sei, also ohne Einrechnung des Zusatz-Risikos durch das Emittentenrisiko. Dies wäre also wohl ein Argumentationsfehler durch den Klassiker bei Anlegerwerbung: ,,Fehlerhaftigkeit durch Unterlassung von ausschlaggebender Information''.
- Die recht kurze Fomulierung der Pressemitteilung lässt ausschlaggebende Fragen unbeantwortet. Sofern der Anleger zu diesen Punkten nicht klarere Information erhielt, so wäre dies geeignet zu einer rechtlichen Prüfung bezüglich vermittelnder Banken.
- Die Frage eventueller verdeckter weiterer Provisionen neben den ausgewiesenen 3 Prozent wäre zu analysieren.
- Wie fast immer bei provisionenintensiven Anlage- Konstruktionen kann leicht gezeigt werden, dass der Anleger mit antizyklischer Börsenanlage unter Beachtung von ganz einfachen Kernregeln deutlich besser hätte verdienen können.
- Bleibt noch bei der Analyse die Suche nach dem ,,innovativen Mechanismus''... Ja, wo steckt der denn? - Sprache ist geduldig, Werbesprache erst recht. - Derartiges ist aber durchaus auch beiläufig von rechtlicher Relevanz zur Abrundung des Gesamtbildes.
Meinungsbildung insgesamt: Voll zu werten ist diese Offerte erst nach weitergehender finanztechnischer Analyse der Details. Die Kosten hierfür sollten sich besser auf mehrere Anleger verteilen. Ein Kernpunkt wäre, ob den vertreibenden Banken mit Bankfachleuten das Emittentenrisiko eines derartigen Massengeschäftes hätte klar sein müssen.
- ,,Wer die Wahrheit hören will, den sollte man vorher fragen, ob er sie ertragen kann.'' (Ernst R. Hauschka, dt. Aphoristiker, 1926-)
- ,,Ein Optimist ist in der Regel der Zeitgenosse, der am ungenügendsten informiert ist.'' (John Priestley, engl. Schriftst. 1894 - 1984)
- ,,Ein Pessimist ist ein Optimist, der nachgedacht hat.'' (Dan Bennet, amerikanischer Kolumnist)
- ,,Nichts wird so leicht für Übertreibung gehalten wie die Schilderung der reinen Wahrheit.'' (Joseph Conrad, ukrainisch-brit. Schriftsteller, 1857-1924)
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